Die Paarberaterin

 



Wenn Trauer die Sprache verschlägt

tree-1031814_1920

Zwiegespräche, um Worte für das zu finden, was unaussprechlich scheint

Bei Verlust eines Menschen helfen Zwiegespräche, die Sprache wiederzufinden, um die Trauer zu bewältigen. Für viele Menschen ist Trauer eine fremde emotionale Erfahrung, die bisher nicht in Worte gefasst wurde und die neu „begriffen“ werden darf. Jeder betritt mit der Trauer eine neue emotionale Ebene, für die Worte gefunden werden müssen. Die Trauer zu verarbeiten ist eine besondere emotionale Leistung, weil sie verschiedene komplexe Abwehrmechanismen aktiviert. Es gilt, sie nicht abzuwerten, sondern als ein Zeichen von Entwicklung anzusehen. 

Abwehrhaltung durch negative Gefühle in der Trauer

Eine Abwehrhaltung gegen die Zwiegespräche entsteht, weil die Trauer und die Verarbeitung des Todes ein negatives Erlebnis ist. Der Tod lässt sich schwer begreifen, er ist unfassbar, fremd und gehört nicht zum Leben. Wir haben meist keine eigenen Erfahrungen gesammelt. Vorausgegangen ist oft eine lange Begleitung bis hin zur Sterbebegleitung. Gefühle der Verzweiflung, des Schmerzes, Wut, Einsamkeit, Angst, Hilflosigkeit und Schuldgefühle kommen im Zwiegespräch (wieder) hoch und müssen zur Sprache gebracht werden. Diese Gefühle mitzuteilen und sie miteinander zu teilen, kann erneut Schmerzen hervorrufen und zur wiederholten Verwundbarkeit führen. Die Fähigkeit zu leiden, zu trauern und die Angst vor der eigenen Schwäche ist ein längerer Reifeprozess. Im Zwiegespräch werden die Paare zu Seelsorgern, da die Zwiegespräche oft sehr tiefe Schichten ansprechen. Wer sich zu ihnen entschließt, zieht aus, das Fürchten zu lernen.

Abwehrhaltung durch alte Verletzungen

In der Trauer um ein Elternteil kommen alte Verletzungen wieder an die Oberfläche. Es ist eine Herausforderung, sich den inneren Verwundungen der frühen Kindheit zu stellen. Im Zwiegespräch kann in solchen schwierigen Lebensphasen eingeübt werden, die eigene Verwundbarkeit dem anderen zu zeigen. Und vor allem zu lernen, dass es sich dabei nicht um eine Schwäche handelt. Dieses Erkenntnis schafft eine intensivere Beziehung zu sich selbst und zum Partner, welche immer im Zentrum einer glücklichen Beziehung steht.

Zeitverschobene Trauerphasen der Partner

Mit der Macht der Gefühle, die unter der Trauer entstehen, zeigt sich, wie verschieden jeder der Partner trauert und wie unterschiedlich lange. Es ist etwas anderes, ob man die Mutter oder die Schwiegermutter verliert. Die Partner nehmen die Trauerphasen zeitversetzt wahr, was zu partnerschaftlichen Spannungen führen kann. Wenn es in dieser Phase gelingt, Zwiegespräche zu führen, dann kann jeder dem jeweils anderen mitteilen, wo er mit seiner persönlichen Verarbeitung in der Trauerphase steht.

Es ist empfehlenswert, sich in dieser besonderen Lebensphase Unterstützung zu suchen. Neue Impulse sind hilfreich, um zu regelmäßigen Zwiegesprächen zu gelangen. Die Trauerphase ist individuell verschieden, heutzutage hat das Trauerjahr keine Relevanz mehr. Paare können sicher davon ausgehen, dass mit den Zwiegesprächen eine Neuorientierung des Lebensgefüges erlangt wird, der Trauerprozess dem Ende.