Die Paarberaterin

 



Gespräche die zu Herzen gehen

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Zwiegespräche als partnerschaftliche Unterstützung bei Herzerkrankungen

Paare, bei denen ein Partner von einer Herzkrankheit betroffen ist, benötigen eine besondere seelische Unterstützung.

Redewendungen wie:

  • Das habe ich mir zu Herzen genommen
  • Da ist mir vor Schreck das Herz stehen geblieben
  • Es hat mir das Herz gebrochen
  • Herzenssache

beschreiben den Zusammenhang von Herz und Seele, – wie richtig der Volksmund damit liegt. Liebe, Partnerschaft und menschliche Nähe sind ein wirkungsvolles Therapeutikum und der wechselseitige Zusammenhang zwischen psychischen Aspekten und Herzerkrankungen.

Zentrale Bedeutung der Partnerschaft:

  • die soziale Unterstützung und der emotionale Rückhalt in einer liebevollen Partnerschaft wirken angst- und stressreduzierend.
  • Menschen, die von ihrem Partner unterstützt werden, haben nach einem Herzinfarkt deutlich weniger Gefühlsschwankungen.
  • Ehezufriedenheit wirkt positiv auf die mentale Infarktbewältigung.

Zwiegespräche stärken den Kranken sowie den Gesunden

Meist liegt der Fokus auf dem Erkrankten. Schwerwiegende Ereignisse, wie z. B. ein Herzinfarkt oder ein Herzstillstand betreffen den Partner und die Partnerschaft ebenso und verändern diese:

  • Nichts ist mehr wie vorher!
  • Wie geht unser gemeinsames Leben weiter?

Deshalb ist es unerlässlich, dem Partner mit derselben Aufmerksamkeit zu begegnen, damit das Hauptunterstützungssystem erhalten bleibt. Falls der Partner bei einem Infarkt dabei war, sitzt der Schock des Erlebten oft tief.

Dem Zwiegespräch kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Die Rollen, das ein Partner krank und ein Partner gesund ist, können während der Gespräche aufgelöst werden. Der von der Krankheit nicht Betroffene darf auch seine Belastungen als Gesunder zum Thema machen. Seine Überforderung, seine Sorgen und die Erschöpfung gehören zu seiner Problematik. Gleichermaßen findet sein Gebrauchtwerden, Liebe geben, seine Stärke und Verlässlichkeit Ausdruck, – das stärkt das Selbstwertgefühl.

Umgekehrt hat der Erkrankte in seiner Sprechzeit die Möglichkeit, seine veränderte Rolle zur Sprache zu bringen: die Zuwendung des Partners, die Erfahrung von Entlastung, Schonung, Unterstützung. Aber auch seine Rolle als Kranker findet Worte wie Niedergeschlagenheit, Ängste vor Operationen, Zukunftssorgen usw.. Gleichberechtigt erhält jeder die Aufmerksamkeit, die bei der veränderten Lebenssituation notwendig ist. Wobei die Begegnung auf Augenhöhe trotz der Erkrankung ein wichtiges Ziel für die Partnerschaft ist.

Gesprächsraum für Tabuthemen wie z. B. Sexualität

Viele Herzerkrankte, sowohl Männer wie Frauen, beschäftigt die Frage, ob sie nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder einer Herzinsuffizienz wieder unbeschwert sexuell aktiv sein dürfen. Beide Partner haben oft Angst, sie könnten sich während des Geschlechtsverkehrs überanstrengen und einen weiteren Infarkt provozieren oder gar den „Liebestod“ erleiden. Um auch in dieser Frage langfristig ein neues Gleichgewicht zu finden, lohnt es sich, das Thema Sexualität aufmerksam zu betrachten.

In Zwiegesprächen zu diesem Thema können beide nahe liegende Fragen erarbeiten:

  • Was wollen und können wir uns sexuell zutrauen?
  • Wie können wir Stress herausnehmen z. B. bei Erektionsstörungen, die nichts Ungewöhnliches bei dieser Krankheit sind?
  • Was macht das Sexualleben aus für unsere Partnerschaft – ist es die Nähe, die Erotik, die Intimität?
  • Welche Ersatzformen von Sexualität können wir leben?